Synopsis
Der Film beginnt, wo andere \u00fcber die Geschichte des spanischen B\u00fcrgerkrieges enden: an der Grenze. Die Filmemacher begleiten sechs Wochen lang Clara Thalmann und Augustin Souchy in die Gegend Kataloniens, wo beide zwischen 1936 und 1939 aktiv an den K\u00e4mpfen gegen Franco und an der Kollektivierung der anarchistischen CNT, "der einzigen sozialen Revolution von unten" teilgenommen haben. Bauern, Tagel\u00f6hner, Handwerker und Arbeiter kollektivierten Landbesitz und Produktionsmittel. Es war keine blutige Staatsaktion, sondern eine Revolution, ausgel\u00f6st von Anarchosyndikalisten und ihrer Gewerkschaft CNT, die 1936 mit einer Million Mitglieder die bedeutende gesellschaftliche Kraft darstellte. Clara und Augustin treffen sich zu dieser Reise zum ersten Mal seit 1937 wieder. Dazwischen liegen f\u00fcr beide Gef\u00e4ngnis, Exil, Kampf und Niederlagen, Alter und Krankheit. Und doch verk\u00f6rpern beide ein St\u00fcck Kontinuit\u00e4t, lebendige Geschichte der anarchistischen Bewegung, die nichts gemein hat mit der Kurzlebigkeit vieler politischer Bewegungen der 80er Jahre. So ist die Geschichte des Film im doppelten Sinne Geschichte: zwei alte K\u00e4mpferInnen suchen die Stationen ihrer Vergangenheit, versuchen Wirklichkeit zu rekonstruieren und erleben Spanien, in dem diese Geschichte unterschlagen wird. In der offiziellen Geschichtsschreibung sowie bei den meisten Beteiligten wurde sie durch 40 Jahre Franco-Terror zum Schweigen gebracht. Eine Reise hat ihre eigene Dynamik: Zuf\u00e4llige Begegnungen entstehen, l\u00e4ngst Versch\u00fcttetes wird hochgesp\u00fclt, und feste Einsch\u00e4tzungen werden mit einer anderen Realit\u00e4t konfrontiert. Die einen erz\u00e4hlen begeistert von damals, von der Kollektivierung, und ein paar Frauen erinnern sich nur an die Arbeit. Oder Augustin und Clara geraten ins Streiten, wie es nun war, und ob die Gewalt "nur" Verteidigung der Revolution oder ob die Revolution eben doch gewaltvoll war. "Die lange Hoffnung" ist auch ein Beitrag zur Rehabilitierung des verfemten Begriffs "Anarchismus" (in Spanien schlimmer als der Kommunismus), dessen ehemalige Anh\u00e4ngerInnen und K\u00e4mpferInnen - sofern sie \u00fcberlebt haben - langsam alle wegsterben. Ihre Erfahrungen und Lebendigkeit sind hier festgehalten. Am 1. Januar 1984 starb Augustin Souchy mit 91 Jahren in M\u00fcnchen, zwei Jahre darauf starb Clara Thalmann in Nizza.