Synopsis
Traditionsgem\u00e4\u00df wird die Spielzeit 2021\/22 an der Mail\u00e4nder Scala am 7. Dezember er\u00f6ffnet, dieses Jahr mit einer Neuinszenierung von Verdis "Macbeth" unter der Regie von Davide Livermore und mit Riccardo Chailly am Dirigentenpult. Giuseppe Verdis Shakespeare-Drama wartet mit absoluter Starbesetzung auf: Mit Anna Netrebko und Luca Salsi. Nach gewonnener Schlacht wird dem k\u00f6niglichen Heerf\u00fchrer Macbeth von drei Hexen prophezeit, dass er selbst einmal K\u00f6nig von Schottland sein werde. Von den \u00dcberredungsk\u00fcnsten seiner Frau verleitet, geht er buchst\u00e4blich \u00fcber Leichen, um an sein Ziel zu gelangen. Doch von Schuldgef\u00fchlen gepeinigt, verfallen die Macbeths bald in Wahnvorstellungen und werden zu Opfern der eigenen Herrschsucht. In seinem ber\u00fchmten Drama hat Shakespeare geschichtliche Fakten mit Zauber- und Hexengeschichten vermengt. Der Schottenk\u00f6nig Macbeth - Mac Bethad mac Findl\u00e0ich - ist historisch belegt, er lebte von 1005 bis 1057, 1040 wurde er zum K\u00f6nig gekr\u00f6nt. Auch sein Tod durch die Hand von Malcolm wird in den Chroniken erw\u00e4hnt. In Verdis Fassung, die 1847 in Florenz uraufgef\u00fchrt wurde, ist die Regierungszeit Macbeths auf wenige Monate reduziert. "Macbeth" ist Verdis zehnte Oper und eine von dreien, denen ein Drama von Shakespeare zugrunde liegt. Der Komponist dirigierte selbst die Urauff\u00fchrung und wurde vom Publikum enthusiastisch gefeiert. Anna Netrebko, Stammgast auch an der Mail\u00e4nder Scala, \u00fcbernimmt in dieser Produktion Rolle der skrupellosen Lady Macbeth, die ihren Gatten zum K\u00f6nigsm\u00f6rder macht. Netrebko ist eine der gefragtesten Operns\u00e4ngerinnen unserer Zeit und wird weltweit f\u00fcr ihre bravour\u00f6se Interpretation der schwierigsten Rollen gesch\u00e4tzt. 2019 interpretierte sie sie zur Mail\u00e4nder Saisoner\u00f6ffnung die Titelrolle in Puccinis "Tosca", 2015 in Verdis "Giovanna d'Arco" und 2011 die Donna Anna in Mozarts "Le Nozze di Figaro". An der Seite der aus Russland stammenden Sopranistin brilliert der italienische Bariton Luca Salsi in der Titelrolle des Feldherrn Macbeth. Er singt unter der Leitung so bedeutender Dirigenten wie James Conlon, Daniele Gatti, Pl\u00e1cido Domingo, Gustavo Dudamel und Riccardo Muti, unter dem er diese gro\u00dfe Verdi-Rolle \u00fcbrigens schon einmal interpretierte. Vervollst\u00e4ndigt wird diese erstklassige Besetzung durch den hervorragenden russischen Bassisten Ildar Abdrazakov, den ARTE-Zuschauer in Mailand bereits als Attila in der gleichnamigen Oper ebenfalls von Verdi erlebt haben, und den italienischen Tenor Francesco Meli, einen bekannten Belcanto- und Verdi-Interpreten. Verdi war zeitlebens bestrebt, aus seinen Figuren auch wirkliche Charaktere zu machen und seelische Abgr\u00fcnde klanglich zu durchleuchten. In "Macbeth" gelang ihm dies zum ersten Mal psychologisch \u00fcberzeugend. So stellt etwa beispielsweise die Szene, in der Lady Macbeth alle ver\u00fcbten Mordtaten schlafwandlerisch-verwirrt durchlebt, die S\u00e4ngerin vor gro\u00dfe Herausforderungen, da die Vokalkomposition verschiedenste Ausdrucksnuancen vereint und ein sehr breites Stimmregister verlangt. Seinen Darstellern verlangte Verdi somit nie Dagewesenes ab: ein klarer Schritt weg vom klassischen Belcanto-Ideal und hin zu unverwechselbarer musikdramatischer Wahrhaftigkeit.