Biographie
Jonas Mekas wurde 1922 im Bauerndorf Semeniškiai in Litauen geboren. 1944 wurde er zusammen mit seinem Bruder Adolf von den Nazis in ein Zwangsarbeitslager in Elmshorn, Deutschland, verschleppt. Nach dem Krieg studierte er Philosophie an der Universität Mainz. Ende 1949 brachte die UN-Flüchtlingsorganisation beide Brüder nach New York City, wo sie sich in Williamsburg, Brooklyn, niederließen.
Zwei Monate nach seiner Ankunft in New York lieh er sich Geld, um seine erste Bolex-Kamera zu kaufen, und begann, kurze Momente seines Lebens aufzuzeichnen. Schon bald engagierte er sich intensiv in der amerikanischen Avantgarde-Filmbewegung. 1954 gründete er zusammen mit seinem Bruder das Magazin Film Culture, das bald zur wichtigsten Filmpublikation in den USA wurde. 1958 begann er seine legendäre Movie Journal-Kolumne in der Village Voice. 1962 gründete er die Film-Makers' Cooperative und 1964 die Film-Makers' Cinematheque, aus der sich schließlich das Anthology Film Archives entwickelte, eines der weltweit größten und wichtigsten Depots für Avantgarde-Kino und Vorführungsort.
Während dieser Zeit schrieb er weiterhin Gedichte und drehte Filme. Bis heute hat er mehr als 20 Prosa- und Gedichtbände veröffentlicht, die in über ein Dutzend Sprachen übersetzt wurden. Seine litauischen Gedichte sind heute Teil der litauischen klassischen Literatur und seine Filme sind in führenden Museen auf der ganzen Welt zu finden. Ihm wird vor allem die Entwicklung der tagebuchartigen Formen des Kinos zugeschrieben. Mekas war auch als Akademiker aktiv und lehrte an der New School for Social Research, dem International Center for Photography, der Cooper Union, der New York University und dem MIT.
Mekas‘ Film „The Brig“ wurde 1963 bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Großen Preis ausgezeichnet. Weitere Filme sind „Walden“ (1969), „Reminiscences of a Journey to Lithuania“ (1972), „Lost Lost Lost“ (1975) und „Szenen aus dem Leben von Andy Warhol“. (1990), Scenes from the Life of George Maciunas (1992), As I was Moving Ahead I seen Brief Glimpses of Beauty (2000), Letter from Greenpoint (2005), Sleepless Nights Stories (2011) und Out-takes from the Life eines glücklichen Mannes. Im Jahr 2007 stellte er eine Reihe von 365 im Internet veröffentlichten Kurzfilmen fertig – jeden Tag einen Film – und stellt seitdem weiterhin neue Arbeiten auf seiner Website vor.
Seit 2000 hat Mekas seine Arbeit auf den Bereich Filminstallationen ausgeweitet und stellt in der Serpentine Gallery, im Centre Pompidou, im Musée d'Art moderne de la Ville de Paris, im Moderna Museet (Stockholm), im PS1 Contemporary Art Centre MoMA und auf der Documenta aus Kassel, das Museum Ludwig in Köln, die Staatliche Eremitage in St. Petersburg und die Biennale von Venedig.