Biographie
Helmut Qualtinger wurde in Wien, Österreich geboren. Er studierte zunächst Medizin, brach das Studium jedoch ab, um Zeitungsreporter und Filmkritiker für die Lokalpresse zu werden und begann, Texte für Kabarettaufführungen und Theaterstücke zu schreiben. Qualtinger debütierte als Schauspieler an einem Studententheater und besuchte als Gasthörer das Max-Reinhardt-Seminar.
Ab 1947 trat er in Kabarettaufführungen auf. 1949 wurde Qualtingers erstes Theaterstück, Jugend vor den Schranken, in Graz aufgeführt. Bis 1960 arbeitete Qualtinger in verschiedenen Kabarettprogrammen mit dem Namenlosen Ensemble bestehend aus Gerhard Bronner, Carl Merz, Louise Martini, Peter Wehle, Georg Kreisler und Michael Kehlmann zusammen.
Qualtinger war berühmt für seine Streiche. 1951 gelang es ihm, in mehreren Zeitungen eine Falschmeldung zu veröffentlichen, in der ein Besuch eines (fiktiven) berühmten Inuit-Dichters namens Kobuk (Autor von „The Burning Iglu“) in Wien angekündigt wurde. Die am Bahnhof versammelten Reporter mussten jedoch Zeuge werden, wie Qualtinger in Pelzmantel und Mütze aus dem Zug stieg. Auf die Frage nach seinen „ersten Eindrücken von Wien“ antwortete der „Inuit-Dichter“ im breiten Wiener Dialekt: „Haaaßis'sdo – [Hier ist es heiß]“.
Das kurze Ein-Mann-Stück „Der Herr Karl“, geschrieben von Qualtinger und Carl Merz und von Qualtinger 1961 aufgeführt, machte den Autor im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt. „Herr Karl“, ein Lebensmittelhändler, erzählt einem imaginären Kollegen seine Lebensgeschichte – von der Zeit des Habsburgerreichs, der Ersten Österreichischen Republik, dem austrofaschistischen Regime bis zum Anschluss an Nazi-Deutschland, dem Zweiten Weltkrieg und schließlich der militärischen Besetzung durch die Alliierten in den 1950er Jahren, gesehen aus der Perspektive eines prototypischen Opportunisten. Qualtingers Darstellung des kleinbürgerlichen Nazi-Kollaborateurs entstand zu einer Zeit, als die „Normalität“ gerade wiederhergestellt war und die Beteiligung der Österreicher an der Nazi-Bewegung verharmlost und „vergessen“ wurde, was dem Autor viele Feinde machte, der sogar anonyme Morddrohungen erhielt.
Ab den 1970er Jahren führte Qualtinger häufig Liederabende mit eigenen und fremden Texten auf, darunter Auszüge aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“ und Karl Kraus‘ „Die letzten Tage der Menschheit“. Diese Konzerte erfreuten sich großer Beliebtheit und führten zur Veröffentlichung mehrerer Schallplatten.
Qualtinger spielte unzählige Theater-, Fernseh- und Filmrollen und hatte seinen letzten Auftritt 1986 zusammen mit Sean Connery in „Der Name der Rose“.
Qualtinger starb am 29. September 1986 in Wien an einer Lebererkrankung.
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