Biographie
Ozualdo Ribeiro Candeias (1918 – 2007) war ein brasilianischer Drehbuchautor, Cutter, Fotograf, Kameramann, Schauspieler, Produzent und Filmemacher.
Man geht davon aus, dass Candeias 1918 geboren wurde, aber erst 1922 in der Stadt Cajobi im Bundesstaat São Paulo registriert wurde. Er arbeitete in verschiedenen Berufen, vom Luftfahrt-Sergent bis zum LKW-Fahrer. Als autodidaktischer Filmemacher veröffentlichte er 1967 seinen ersten Spielfilm „A Margem“, einen Ausgangspunkt für die Cinema Marginal-Bewegung (auch Cinema de Invenção genannt), die für immer Paradigmen in der Geschichte des brasilianischen Kinos verändern sollte. Da er sich nach einer Vertriebsgesellschaft dafür sehnte, wandte er sich an die Boca do Lixo, einen Block in der Innenstadt von São Paulo, der damals als Hochburg unabhängiger Filmemacher bekannt war. Als leidenschaftlicher Verfechter der Boca würdigte er sie sowohl in Kurz- als auch in Spielfilmen.
Sein Werk besteht aus zahlreichen Kurz- und Langfilmen, die meist das Leben von Gemeinden im städtischen oder ländlichen Brasilien schildern, die mit dem Leben in Armut zu kämpfen haben. Zu den Genres, mit denen Candeias gearbeitet hat, gehören Horror, Western, Exploitation und Drama, obwohl seine Filme aufgrund ihres experimentellen Charakters schwer zu kategorisieren sind. Obwohl einige seiner Spielfilme kommerziellen Erfolg hatten, wie zum Beispiel „Meu Nome É Tonho“ aus dem Jahr 1969, hatten Candeias‘ Filme zu seinen Lebzeiten ein notorisch kleines Publikum. „Caçada Sangrenta“ (1974) und „A Freira e a Tortura“ (1983), zwei seiner Spielfilme, die sich an ein konventionelleres Publikum richteten, gingen aus einem Vertrag mit dem Produzenten/Schauspieler David Cardoso hervor, der zuvor in „A Herança“ mitgespielt hatte ( 1971), Candeias' Interpretation von Hamlet, neu interpretiert als Schauplatz im ländlichen Brasilien. Candeias‘ Film „Aopção ou As Rosas da Estrada“ (1981) gewann den Bronzenen Leoparden beim Locarno Film Festival. Sein letzter Spielfilm „O Vigilante“ (1992) gewann den Sonderpreis der Jury beim 25. Brasília Film Festival, wurde aber nie in den Kinos verliehen.