Biographie
Der Regisseur, Journalist und Produzent António Lopes Ribeiro (1908-1995) war ein zentraler Name in der Geschichte des portugiesischen Kinos in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seit den späten 1920er Jahren war er Filmkritiker und unterstützte die europäische Filmavantgarde sowie die ästhetische und technische Erneuerung des portugiesischen Kinos. 1928 drehte er seinen ersten Film, Bailando ao sol, und nahm an den Dreharbeiten zu den Filmen Nazaré, praia de pescadores (1929), Lisboa, Crónica Anedótica und Maria do Mar (1930) von J. Leitão de Barros teil. Kurz zuvor unternahm er eine lange Reise zu den großen Filmstudios von Paris, Berlin und Moskau, wo er sich mit den neuesten Techniken und Tendenzen vertraut machte und dort auch Clair, Renoir, Lang, Pabst, Eisenstein und traf Wertow. Sein erster Tonfilm war Gado Bravo (1934), den er mit mehreren jüdischen Filmschauspielern und Technikern drehte, die gerade aus Hitler-Deutschland geflohen waren. Ribeiros erster großer Propagandafilm für den Neuen Staat war A Revolução de Maio (Die Mairevolution, 1937), dessen Drehbuch er zusammen mit António Ferro, dem Gründer und Direktor des Secretariado da Propaganda Nacional (Nationales Propagandabüro/SPN), schrieb. Im folgenden Jahr begleitete er das Staatsoberhaupt, Präsident Óscar Carmona, auf einer Reise in die portugiesischen Kolonien in Afrika und drehte aktuelles Filmmaterial, das in mehreren Dokumentarfilmen sowie in seinem zweiten Propagandaspielfilm Feitiço do Império verwendet wurde (1940). Ebenfalls im Jahr 1938 begann Ribeiro mit der Produktion der ersten Wochenschau des New State für SPN, Jornal Português, die bis 1951 dauern sollte. Mit seiner Produktions- und Vertriebsfirma Sociedade Portuguesa de Actualidades Cinematográficas (SPAC) produzierte und inszenierte er viele Propagandadokumentationen im Auftrag des New State Damit erlangte er den Ruf des offiziellen Filmemachers des Regimes und stärkte seinen Einfluss im staatlich geförderten Sindicato Nacional dos Profissionais de Cinema (Nationaler Verband der Filmschaffenden). 1941 gründete er Produções António Lopes Ribeiro, eine Produktionsfirma, die berühmte Komödien wie O Pai Tirano (1941), O Pátio das Cantigas (1942, Regie: sein Bruder Francisco Ribeiro) oder A Vizinha do Lado (1945) herausbrachte. ; Manoel de Oliveiras erster Spielfilm, Aniki-Bóbó (1942); oder historische Dramen wie Amor de Perdição (1943), Frei Luis de Sousa (1950) und O Primo Basílio (1959). Bis 1974 produzierte oder führte Ribeiro Dutzende Propagandadokumentationen und Wochenschauen. Zwischen 1957 und 1974 war er außerdem Autor und Moderator einer sehr beliebten Fernsehsendung über die Geschichte des Kinos mit dem Titel „O Museu do Cinema“ („Das Kinomuseum“).